Interview

„Water for Life“ in Afrika
IAAAE

Sami Hafeez Sahib

IMG-20170827-WA0024

Der Kampf um ausreichend Wasser bestimmt den Alltag vieler Menschen in Afrika. Die Felder bewässern, trinken, waschen, kochen – all diese Sachen sind für uns hierzulande selbstverständlich, aber für viele Menschen in Afrika ist es ein Kampf ums Überleben. Während man bei uns nur den Wasserhahn aufzudrehen braucht, muss in vielen Orten Afrikas das Wasser von weit hergeholt werden. Täglich nehmen Frauen und Mädchen ihre Wasserkessel und Kanister in die Hand und laufen über acht Kilometer und mehreren Stunden bis zur nächsten Wasserquelle, um Wasser für die Familie zu holen.

Im Laufe der Jahre haben Hilfsorganisationen Wasserquellen in ländlichen Dörfern angezapft, um den Menschen mit Wasser zu versorgen. Da dies jedoch eine einmalige Installation der Pumpen war, hatten diese Menschen über Jahre hinweg kein frisches Trinkwasser mehr, als diese Wasserpumpen kaputt gingen und vernachlässigt wurden. Diese müssen instandgesetzt werden oder erneuert werden.

Mein Name ist Sami Hafeez und ich studiere an der Technischen Universität Darmstadt Bauingenieurwesen. Mit der Installation von Wasserpumpen hatte ich vorerst keine Erfahrung, bis ich im Jahr 2013 gemeinsam mit dem Bruder Dr. Mohammad Sultan die Möglichkeit hatte, das Symposium vom IAAAE (INTERNATIONAL ACCOCIATION OF AHMADI ARCHITECTS & ENGINEERS) in London, England, zu besuchen. Ich erinnere mich, dass man für die Durchführung eines der Projekte in Afrika eine Person für den nächsten anstehenden Termin suchte. Aber ich weiß nicht, weshalb meine Hand sich erhob und ich mich sofort für die Durchführung des Projektes bereit erklärte. Ich wusste nicht, was mich in Afrika erwarten wird, auch besaß ich keine Erfahrung in der Installation von Wasserpumpen, und trotzdem erhob sich meine Hand und ich erklärte mich freiwillig hierfür bereit. Wenn ich heute an diesem Moment zurückdenke, bin ich Allah Taala hierfür dankbar, dass mein Gewissen mich damals nicht zweifeln lies und ich mich sofort für den Dienst an Allah und Seiner Schöpfung bereit erklärte. Als Waqif-e Nau habe ich mich dazu verpflichtet, mich jederzeit für diesen Dienst zur Verfügung zu stellen – Allah und Seiner Schöpfung zu dienen.

In vielen Orten Afrikas scheint die Zeit still zu stehen. Afrika hat mich gelehrt, dass auch ein einzelnes Reiskorn der Dankbarkeit Allahs würdig ist. Wir können uns hierzulande für alles was Allah uns gegeben hat, sehr glücklich schätzen. Und wie viel wir uns auch bei ihm hierfür bedanken, es ist und bleibt immer zu wenig. Meine Waqf-e Arzis in Afrika haben mich sehr stark geprägt. Ich habe das Leben und alles was mich umgibt schätzen gelernt. Ich habe gelernt, dass das Leben sehr kurz ist und ich jede Sekunde dieses Lebens dafür nutzen sollte, Allah meine Dankbarkeit zu erweisen. Dies tue ich durch Gebete und durch meinen Dienst an der Menschheit und an der Jamaat des Verheißenen MessiasAS.  

Vor sechs Jahren trat ich mein erstes Waqf-e Arzi in Afrika an. Damals bin ich unvoreingenommen und unvorbereitet dorthin gereist. Ich hatte keine Erwartungen. Und umso größer waren meine Begeisterung und meine Motivation für den Dienst in Afrika als ich dort ankam und die Menschen und das Leben dort sah. Mit der Zeit sind es sehr viele Reisen geworden und jedes Mal, wenn ich in Afrika bin, schlägt mein Herz noch schneller. Hier möchte von einer meiner Reisen nach Benin, West-Afrika berichten. Angekommen in Benin erwartete mich eine sechsstündige Autofahrt von Cotonou nach Parakou und von dort mit einem Geländewagen in die ländliche Region ohne Infrastruktur.

Am späten Nachmittag kamen wir in einem Dorf an und begaben uns direkt zum Dorfältesten. Wann immer wir eine Wasserpumpe in einem Dorf installieren, müssen wir uns vorerst die Erlaubnis des Dorfältesten einholen. Da der unbeschwerte Zugriff auf Wasser im Interesse eines jeden Menschen ist, wird unserem Vorhaben immer zugestimmt. Wie sollte es auch anders sein? In diesem Dorf fanden wir eine Handpumpe vor, die eine Hilfsorganisation vor Jahrzehnten installiert hatte. Nun funktionierte diese nicht und die Dorfbewohner erzählten uns, dass diese vor acht Jahren kaputt ging und sich weder die Hilfsorganisation um ihre Wartung kümmerte noch jemand aus dem Dorf sich damit auskannte, wie diese zu reparieren sei. Acht langen Jahren waren die Dorfbewohner gezwungen, das Wasser vom Weiten zu holen. Acht lange Jahre, die mit einer langen Wanderung auf der Suche nach Wasser verbunden waren.

Wir fassten den Entschluss, die alte Handpumpe durch eine neue Handpumpe zu ersetzen. Wir demontierten die alte Wasserpumpe und analysierten den Grund des Ausfalls. Damit ein Ausfall nicht wieder eintritt beziehungsweise durch die Dorfbewohner repariert werden kann, wird gründlich nach dem Problem des Ausfalls gesucht.    

Nach dem Demontieren wurde der Brunnen mit einem Luftkompressor gereinigt. Eine gängige Vorgehensweise, um den groben Schmutz aus dem Brunnen herauszuschleudern und im Anschluss mit einer Tauchpumpe die feinen Partikel herauszupumpen, bis das Wasser kristallklar wird.

Als wir nach einer stundenlangen Arbeit in den Nachtstunden mit der Installation der Pumpe fertig wurden, waren zwar unsere Kräfte, unter anderem auch den hohen Temperaturen von über 40 Grad geschuldet, am Ende, aber die Freude der Bewohner, wurde für mich zum Lebenselixier. Nach jedem erfolgreichen Projekt prallt die Erschöpfung von einem ab, wenn man die Freude und Dankbarkeit der Menschen erlebt. Man vergisst jede Übermüdung, die hohen Temperaturen, ja sogar den Schweiß, der einem die Stirn herunter tropft.

Die Freude von den Bewohnern kann man nicht nur sehen, man fühlt sie. Kinder und Ältere eilten sofort mit leeren Wasserfalschen herbei, füllten diese mit Wasser und tranken daraus. Es sind derartige Erlebnisse, die mich dazu zwingen, mich vor meinem Herrn in Niederwerfung zu begeben und Ihn für alles zu danken, was er mir beschert hat. Es sind diese Erlebnisse und diese Freude der Menschen, die mich motivieren immer weiter zu machen.

Das Projekt „Water for Life“ wurde 2005 unter der Leitung von Hadhrat Khalifatul Masih VABA gegründet. Das Hauptziel des Projektes ist es, Forschung zur Etablierung kostengünstiger Methoden zur Gewinnung von sauberem Trinkwasser für die Menschen in Afrika zu betreiben.

Auf diese Weise hat das Projekt durch den Segen von Khilafat mehr als 2500 Wasserpumpenrehabilitationen erfolgreich abgeschlossen und damit über Millionen von Menschen, die dieses grundlegende menschliche Bedürfnis am meisten benötigen, Hilfe gebracht. Seit seiner Gründung hat das Projekt „Water for life“ in vielen afrikanischen Ländern gearbeitet.

2017 wurde ich von Hudhur-e AnwarABA mit einer Auszeichnung für besondere Leistungen für „Water for Life“ geehrt. Alhamdulillah.